Mr. Wasserbau Martin Eugster geht in Pension

Wasserbauingenieur Martin Eugster

Vor wenigen Tagen räumte Martin Eugster seinen Pult in der Abteilung Wasserbau im Tiefbauamt. Da die Gewässer in Appenzell Ausserrhoden unter kantonaler Hoheit stehen, kennen fast alle Anstösserinnen und Anstösser an Bächen und Flüssen den bärtigen Mann mit den Gummistiefeln. Sein grosses Wissen und die jahrzehntelange Arbeit rund um die Ausserrhoder Gewässer machte ihn zum Mr. Wasserbau. Nach Starkregen, Überschwemmungen und Rutschen riefen die Leute direkt bei ihm an, das Sekretariat im Tiefbauamt blieb nahezu verschont.

Martin Eugster trat am 1. August 1980 in den Dienst der damaligen Baudirektion. Aufgewachsen in der Rohnen in Schachen bei Reute, machte er die Matura Typus C in Trogen und studierte anschliessend Forstingenieurwesen an der ETH. Auch damals waren technisch ausgebildete Personen gesucht, wenn auch weniger im Forstwesen als mehr im allgemeinen Tiefbau. Neue Umweltschutzvorgaben, neue Bauprozesse und Kontrollaufgaben und die generelle Beschleunigung in der Wirtschaft setzten die kantonale Verwaltung Ende der 70er Jahre unter Druck. Es mangelte an Fachwissen in den Ingenieurbüros und an Projektleitungs-kapazitäten in der Bauverwaltung. Baudirektor Hansjakob Niederer ersuchte die Regierung um Erhöhung des Stellenetats. So trat Martin Eugster eine neu geschaffene Stelle an, die ein breites Spektrum an Tätigkeiten umfasste. Kantonsingenieur Emil Lanker beschriftete das Personaldossier von Martin Eugster daher kurzerhand mit „technischer Mehrzweckangestellter“.

Über viele Jahre diente Martin Eugster daraufhin dem Tiefbaumt in den verschiedensten Funktionen, bis er im Wasserbau sesshaft wurde. Seiner beruflichen Ausbildung entsprechend galt sein besonderes Augenmerk der Natur und der pflanzlichen Umgebung der Gewässer. Von diesem speziellen Fachwissen profitieren auch die anderen Abteilungen des Tiefbauamts. Die ausgewogene Kombination von Büro- und Feldarbeit behagte ihm sehr. Mit Gemütlichkeit hatte die Stelle allerdings nichts zu tun. Grosse Herausforderungen warteten. Zuerst musste das Gewässernetz in der amtlichen Vermessung vervollständigt und digitalisiert werden. Ein Gewässerkataster wurde geschaffen. Auch die Ökomorphologie und die Abflusskennwerte wurden erhoben, so dass sich das Wissen um die Gewässer festigte. Ein neues Gesetz über den Wasserbau war ebenfalls dringend, denn die alten Bestimmungen aus dem Jahre 1877 waren kaum mehr anwendbar. Andere Themen wie beispielsweise die Restwassersanierung bei den Kraftwerken kamen hinzu, auch wenn das Problem in Appenzell Ausserrhoden nicht so gross war wie bei den Staumauern in den Alpen. Stark zugenommen haben wegen der regen Bautätigkeit auch die wasserbaupolizeilichen Gesuche.

Im Februar 2002 wurde Martin Eugster vom Regierungsrat als Abteilungsleiter Wasserbau gewählt, nachdem sein Vorgänger am Arbeitsplatz unerwartet verstarb. Kurz darauf wurde das Vorderland von den schwersten Unwettern seit Jahren getroffen, so dass die Arbeit über Jahre hauptsächlich in der Bewältigung der Schäden bestand. Ebenfalls wurden in dieser Zeit die Gefahrenkarten Hochwasser erarbeitet. Die Gemeinde Bühler war Pilotgemeinde, nachdem der Rotbach nach einem Starkregen massiv über die Ufer trat und Unheil anrichtete. Die Neugestaltung des Rotbachgerinnes in Bühler ist denn auch eines der bleibenden Werke von Martin Eugster. Kaum waren diese Arbeiten abgeschlossen, verwüstete ein Unwetter Teile von Herisau entlang der Glatt und dem Sägebach. Mittlerweile war die Abteilung wohl auf drei Mitarbeiter angewachsen, aber die Ressourcen reichten hinten und vorne nicht. Der Bund, aufgeschreckt durch die Zunahme an Naturereignissen, verlangte immer mehr Daten und Nachweise und Berichte. Das lag Martin Eugster weniger, er arbeitete lieber an der Front.

Vor drei Jahren übergab er die Abteilungsleitung an Michael Sonderegger und nun hat er auch die letzten Projektedossiers geschlossen und geht in Pension. Das Tiefbauamt dankt Martin Eugster für die jahrzehntelange Sorge um die Ausserrhoder Gewässer.

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