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Sonderpädagogisches Angebot

Die Kantone haben sich in der Interkantonalen Vereinbarung über die Zusammenarbeit im Bereich der Sonderpädagogik (Konkordat Sonderpädagogik) auf ein Sonderpädagogisches Grundangebot geeinigt.
> Konkordat Sonderpädagogik
> Kommentar zum Konkordat


Das Sonderpädagogische Angebot umfasst:

▪ Sonderpädagogische Massnahmen
Sonderpädagogische Förderung / Unterstützung / Schulung
(Heilpädagogische Früherziehung, Schulische   Heilpädagogik) einschliesslich pädagogisch-therapeutischer Massnahmen (Logopädie, Psychomotorik-Therapie)

▪ Beratung und Unterstützung
Behinderten- und fallspezifische Beratung und Unterstützung sowie – subsidiär – persönliche Assistenz
Unter Beratung versteht man die sporadische Intervention oder punktuelle Hilfestellung für Kinder und Jugendliche mit besonderem Bildungsbedarf und für ihr Umfeld (im professionellen Umfeld: Lehr- und Fachpersonen; Klasse I im familiären Umfeld: Familie, enge Bezugspersonen) durch Fachkräfte mit entsprechender Spezialisierung, insbesondere im Behinderungsbereich. Eine Unterstützungsintervention erfolgt im Rahmen Heilpädagogischer Früherziehung und des Unterrichts für Kinder und Jugendliche mit besonderem Bildungsbedarf durch Fachkräfte mit entsprechender Spezialisierung, insbesondere im Behinderungsbereich.

▪ Betreuung
Sozialpädagogik, Pflege, Tages- und Internatsstruktur
> Konzept Sonderpädagogik Appenzell Ausserrhoden


Im Rahmen des sonderpädagogischen Angebots sorgen die Kantone für die Organisation notwendiger Transporte und übernehmen deren Kosten für Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Behinderung den Weg zwischen Wohnort, Schule und/oder Therapiestelle nicht selbständig bewältigen können.

Das Sonderpädagogische Angebot kann als Einfache Massnahme (= nichtverstärktes Angebot) und als Verstärkte Massnahme vorkommen.
Verstärkte Massnahmen zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
a. lange Dauer,
b. hohe Intensität,
c. hoher Spezialisierungsgrad der Fachpersonen sowie
d. einschneidende Konsequenzen auf den Alltag, das soziale Umfeld oder den Lebenslauf des Kinde oder des Jugendlichen

Informationen zu Themen der Heil- und Sonderpädagogik der Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogik (SZH)
> http://www.szh.ch/themen

Sonderpädagogische Massnahmen

Schulische Heilpädagogik

Fachleute der Schulischen Heilpädagogik arbeiten sowohl in der Regel- (integrativ) als auch in der Sonderschule. Sie sind ausgebildet für den Unterricht bei Lernenden mit besonderem Bildungsbedarf, Beratungs- und Unterstützungstätigkeiten, Diagnostik, Förderplanung und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Grundsätzlich werden sie in der Ausbildung auf alle Behinderungsformen und auf verschiedenste Ausprägungen des besonderen Förderbedarfs vorbereitet.

Informationen zu Berufsfeld und Ausbildung – Film (Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Zürich)

Schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen bilden, fördern und erziehen als spezialisierte Lehrpersonen Schülerinnen und Schüler mit Schulschwierigkeiten oder mit Behinderungen. Sie erheben deren besonderen Förderbedarf und entwickeln individuelle Förderpläne. Sie unterrichten, fördern, beraten und
begleiten diese Lernenden, indem sie den Unterricht für sie individualisieren und differenzieren.

Der Masterstudiengang Sonderpädagogik mit Vertiefungsrichtung Schulische Heilpädagogik an der Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zürich ist im Kern ein allgemeines Studium mit Schwerpunkten (siehe Link).
Zum Angebot gehören:

Pädagogik bei Schulschwierigkeiten
Die Studierenden lernen, Kinder und Jugendliche mit Schulschwierigkeiten, beispielsweise aufgrund von Problemen in den Bereichen des Lernens, des Verhaltens oder bei besonderen Begabungen, frühzeitig zu erfassen und gezielt zu fördern. Die Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs beraten Erziehungsverantwortliche, Kolleginnen und Kollegen sowie Behörden fachlich kompetent, sind vertraut mit förderorientierten Unterrichtskonzepten und fähig, in schwierigen Unterrichts-, Erziehungs- und Beratungssituationen ressourcen- und lösungsorientiert zu handeln.

Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung
Die Studierenden befassen sich mit Bildungsangeboten in unterschiedlichen institutionellen Formen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer geistigen Behinderung. Sie werden befähigt, Menschen mit einer geistigen Behinderung zu einem möglichst selbstbestimmten Leben in sozialer Integration zu führen. Absolventinnen und Absolventen arbeiten sowohl in Regel- als auch in Sonderschulen.

Pädagogik für Schwerhörige und Gehörlose
Die Studierenden mit Schwerpunkt Pädagogik für Schwerhörige und Gehörlose lernen die Situation von schwerhörigen und gehörlosen Kindern und Jugendlichen mit Kommunikationsproblemen zu beurteilen, sie in ihrer Entwicklung zu fördern und sie bei ihren Lernprozessen zu begleiten. Sie beziehen Betroffene und Beteiligte bei ihrer Arbeit mit ein und stützen sie gezielt. Absolventinnen und Absolventen arbeiten sowohl in Regel- als auch in Sonderschulen.

Pädagogik für Sehbehinderte und Blinde
Den Studierenden wird ein differenziertes Verständnis für die Besonderheiten behinderten Sehens vermittelt. Sie kennen didaktische Konzepte und mediale Anpassungen des Unterrichts, der die betroffenen Kinder und Jugendlichen zu möglichst selbstbestimmter Lebensgestaltung führt. Absolventinnen und Absolventen arbeiten sowohl in Regel- als auch in Sonderschulen.

Pädagogik für Körper- und Mehrfachbehinderte
Die Studierenden werden befähigt, Lernprozesse bei körper- und mehrfachbehinderten Schülern und Schülerinnen, die auf ein spezifisches Lernangebot angewiesen sind, individuell zu planen, zu gestalten und zu evaluieren. Absolventinnen und Absolventen arbeiten sowohl in Regel- als auch in Sonderschulen.

> Film

Aufgaben und Kompetenzen - Broschüre (Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Zürich)

7 Aufgabenfelder: Heilpädagogische Früherzieherinnen und Früherzieher leisten vielfältige Aufgaben in unterschiedlichen Settings. Um die Kinder mit besonderem Förderbedarf sowie deren familiäres Umfeld und weitere Bezugspersonen zu begleiten und zu unterstützen, müssen sie eine breite Palette von Kompetenzen einbringen.
Aufgabenfeld 1: Förderdiagnostik: Erfassen – Planen – Evaluieren
Aufgabenfeld 2: Unterrichten – Besonderer Bildungsbedarf
Aufgabenfeld 3: Unterricht Fachdidaktik Sprache und Fachdidaktik Mathematik – Besonderer Bildungsbedarf
Aufgabenfeld 4: Umgang mit herausforderndem Verhalten
Aufgabenfeld 5: Beraten
Aufgabenfeld 6: Kontext gestalten und entwickeln
Aufgabenfeld 7: Forschen, Entwickeln, Reflektieren
> Broschüre

Angebote und Durchführungsstellen der Schulischen Heilpädagogik Appenzell Ausserrhoden

Schulische Heilpädagogik in den Gemeinden
Der Grundsatz der Integration ist in Appenzell Ausserrhoden gesetzlich festgelegt und die Verantwortlichkeiten zwischen Kanton und Gemeinden bezüglich der Schulung und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf sind geklärt.
Integrative Schulung kann nur gelingen, wenn das sonderpädagogische Fachwissen in die Volksschule integriert wird. In jeder Gemeinde steht ein Pool Schulische Heilpädagogik zur Verfügung.
> Leitplanken Umgang mit Heterogenität

Die Integration im Bereich der Förderangebote wie auch im Bereich der Verstärkten Massnahmen ist in allen Gemeinden umgesetzt, was der Mehrheit der Lernenden einen wohnortnahen Schulbesuch ermöglicht.
Die gemeinsame Schulung möglichst vieler Lernender der Regelklassen wird durch das Modell der Integrativen Schulform von der Vorschulstufe (Kindergarten) bis inklusive Sekundarstufe I verfolgt.
Integrative Schulung im Rahmen Verstärkter Massnahmen (IVM) bezeichnet den Hauptförderort Regelschule. Alle Massnahmen des Grund-/ Förderangebots sowie die Verstärkten Massnahmen, die zusätzlich zum Grund-/Förderangebot zur Verfügung stehen, um einem besonderen Bildungsbedarf innerhalb der Regelschule gerecht zu werden, werden am Hauptförderort Regelschule ausgerichtet.

Institutionen der Sonderschulung in Appenzell Ausserrhoden
> Gesamtschule tipiti, Trogen (Tagessonderschule; Zyklus II, Zyklus III)
> Kleingruppenschule tipiti, Heiden (Tagessonderschule; Zyklus II, Zyklus III)
> Schule im Lindenhof, Herisau (Tagessonderschule; Zyklus II, Zyklus III)
> Heilpädagogische Schule Roth Haus, Teufen (Tagessonderschule; Zyklus I, Zyklus II, Zyklus III)
> Heilpädagogisches Schulinternat Rosenhügel, Urnäsch (Sonderschulinternat; Zyklus I, Zyklus II, Zyklus III)

Institutionen der Sonderschulung in anderen Kantonen
Appenzell Ausserrhoden kann nicht das gesamte Sonderpädagogische Angebot innerhalb des Kantons abdecken. Die interkantonale Zusammenarbeit mit spezialisierten und regionalen Diensten und Institutionen ist etabliert. Für ausserkantonale Schulen und Dienste bestehen Leistungsvereinbarungen mit dem jeweiligen Standortkanton.
 

Heilpädagogische Früherziehung

Definition

In der Heilpädagogischen Früherziehung werden Kinder mit Behinderungen, mit Entwicklungsverzögerungen, -einschränkungen oder –gefährdungen ab Geburt bis zum Schuleintritt mittels Abklärung, präventiver und erzieherischer Unterstützung sowie angemessener Förderung im familiären Kontext behandelt.
> Terminologie Konkordat Sonderpädagogik


Rechtliche Situation, Zuweisung und Finanzierung

Die Heilpädagogische Früherziehung ist als Massnahme der Sonderschulung nach Art. 62 Abs. 3 BV Teil des öffentlichen Bildungsauftrages. Die Kantone tragen somit die gesamte Verantwortung für die besondere Schulung von Kindern und Jugendlichen für die sonderpädagogischen Massnahmen.
Heilpädagogische Früherziehung wird in Appenzell Ausserrhoden als Verstärkte Massnahme angeboten. Für Verstärkte Massnahmen prüft die Fachstelle Sonderpädagogik die eingereichten Abklärungen und Anträge bezüglich formal-administrativer und inhaltlich-organisatorischer Aspekte. Bei positivem Ergebnis ist sie verantwortlich für die Zuweisung zu und die Kostengutsprache für Heilpädagogische Früherziehung.


Informationen zu Berufsfeld und Ausbildung – Film (Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Zürich)

Die Fachperson der Heilpädagogischen Früherziehung arbeitet mit behinderten oder in ihrer Entwicklung auffälligen oder gefährdeten Kleinkindern (Geburt bis Schuleintritt) und deren nahen Bezugspersonen zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung bzw. an der Dienststelle einzeln oder in Gruppen. Nach einer individuellen Abklärung unterstützt sie die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Kindes, hilft, gute Entwicklungsbedingungen zu schaffen und arbeitet eng mit den direkten Bezugspersonen bei Schwierigkeiten in ihrer besonderen Erziehungsaufgabe und weiteren Fachpersonen zusammen.
Die Ausbildung findet an einer Pädagogischen Hochschule oder Universität statt und setzt eine pädagogische Grundausbildung voraus. Das Studium dauert im Vollzeitstudium 4 Semester, im Teilzeitstudium mindestens 5 Semester und führt zu einem Master of Arts.
Der Film der Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Zürich gewährt einen Einblick in die berufliche Tätigkeit und Ausbildung.
> Film


Aufgaben und Kompetenzen – Broschüre (Hochschule für Heilpädagogik (HfH) Zürich)

7 Aufgabenfelder: Heilpädagogische Früherzieherinnen und Früherzieher leisten vielfältige Aufgaben in unterschiedlichen Settings. Um die Kinder mit besonderem Förderbedarf sowie deren familiäres Umfeld und weitere Bezugspersonen zu begleiten und zu unterstützen, müssen sie eine breite Palette von Kompetenzen einbringen.
Aufgabenfeld 1: Förderdiagnostik: Erfassen – Planen – Evaluieren
Aufgabenfeld 2: Frühkindliche Entwicklungsprozesse: Erkennen und Differenzieren
Aufgabenfeld 3: Fördereinheiten: Gestalten – Strukturieren – Organisieren
Aufgabenfeld 4: Umgang mit herausforderndem Verhalten
Aufgabenfeld 5: Beraten
Aufgabenfeld 6: Interdisziplinarität: Vernetzen – Kooperieren – Informieren
Aufgabenfeld 7: Forschen, Entwickeln, Reflektieren
> Broschüre


Angebote und Durchführungsstellen der Heilpädagogischen Früherziehung Appenzell Ausserrhoden

> Allgemeine Heilpädagogische Früherziehung im Zentrum für Schulpsychologie und Therapeutische Dienste (ZEPT)

Spezialisierte Heilpädagogische Früherziehung

Sehbehinderung
> Low Vision Zentrum für sehbehinderte Kinder und Jugendliche
> obvita I Sehberatung Schulung und Förderung I Früherziehung 

Hörbehinderung
> Audiopädagogischer Dienst der Sprachheilschule St. Gallen
> Zentrum für Gehör und Sprache (ZGSZ) Zürich
> Schweizerischer Gehörlosenbund (SGB) Zürich

Zusätzliche Informationen

Abteilung Sonderpädagogik

Regierungsgebäude
9102 Herisau
T: +41 71 353 61 11