Letzte Woche veröffentlichte der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) die Ergebnisse einer breit angelegten Befragung zur integrativen Schule. Rund 26 Prozent der über 40'000 angeschriebenen Aktivmitglieder des LCH (Lehrpersonen, SHP und therapeutisches Personal der Zyklen 1–3) beteiligten sich an der Befragung. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Viele Lehrpersonen tragen die Grundidee einer inklusionsorientierten Schule mit, beurteilen die aktuellen Rahmenbedingungen jedoch kritisch.
Entscheidend für das Gelingen sind aus Sicht der Befragten weniger die pädagogischen Ziele als die Voraussetzungen ihrer Umsetzung. Besonders wichtig sind ausreichende Ressourcen, eine gute Zusammenarbeit im Schulteam, Unterstützung durch Schulleitungen und Fachstellen sowie ein verlässliches Einvernehmen mit den Eltern.
Situation in Appenzell Ausserrhoden
Appenzell Ausserrhoden verfolgt seit vielen Jahren den Grundsatz «Integration vor Separation». Lernende mit Unterstützungsbedarf werden, sofern dies fachlich sinnvoll und tragfähig ist, möglichst in der Regelklasse gefördert. Die Studienergebnisse bestätigen, dass die Grundidee einer inklusionsorientierten Schule in Appenzell Ausserrhoden breit abgestützt ist. Besonders erfreulich ist, dass die im Rahmen der Totalrevision des Volksschulgesetzes überprüfte und geschärfte Förderkaskade den Bedürfnissen der schulischen Praxis entspricht und erfolgreich umgesetzt wird. Die Studie zeigt zudem, dass die kantonalen Strukturen insgesamt den Anforderungen und Bedürfnissen der Schulen gerecht werden.
Michael Weber, Präsident des Verbandes Lehrerinnen und Lehrer Appenzell Ausserrhoden (LAR), teilt diese Einschätzung: Die Lehrpersonen stünden der gelebten Integration grundsätzlich positiv gegenüber. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die Umsetzung im Schulalltag für viele Lehrpersonen herausfordernd ist. Aus Sicht der Lehrpersonen wirkt sich die Integration von Lernenden mit besonderem Unterstützungsbedarf nicht negativ auf den Lernerfolg der Regelklasse aus. An der LCH-Studie beteiligten sich 270 Aktivmitglieder aus Appenzell Ausserrhoden. Sie beurteilen die Unterstützungsangebote im Vergleich zu anderen Kantonen positiv.
Insgesamt ist dieses Ergebnis auf das Zusammenspiel verschiedener Stärken des Ausserrhoder Schulsystems zurückzuführen: Langjährige Erfahrung mit integrativen Schulformen, verlässliche Unterstützungsstrukturen sowie kurze Wege zwischen Schulen, Fachstellen und Behörden.
Integration braucht Haltung, Strukturen und Ressourcen
Die Erfahrungen aus der Praxis zeigen: Eine erfolgreiche integrative Schule braucht klare Rahmenbedingungen, verlässliche Unterstützung und eine gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten. Appenzell Ausserrhoden hält am Grundsatz «Integration vor Separation» fest und entwickelt die Unterstützungsangebote gemeinsam mit Schulen, Fachstellen und Gemeinden kontinuierlich weiter. Ziel bleibt eine tragfähige Volksschule, in der Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Voraussetzungen bestmögliche Bildungschancen erhalten. Susann Metzger, Vorsteherin des Departements Bildung und Kultur, betont, dass Integration dort gelingt, wo Haltung, Unterstützung und professionelle Zusammenarbeit zusammenwirken.