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Hitzestress bei Tieren

Hohe Temperaturen gehören zum Sommer. Für Tiere können sie jedoch schnell zur Belastung werden. Mit einer guten Beobachtung der Tiere und einfachen Schutzmassnahmen lassen sich gesundheitliche Probleme in den meisten Fällen vermeiden. Entscheidend ist, frühzeitig zu handeln und die Massnahmen an die tatsächliche Belastung der Tiere anzupassen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Frisches Trinkwasser muss jederzeit und in ausreichender Menge verfügbar sein.
  • Alle Tiere benötigen gleichzeitig Zugang zu ausreichend Schatten.
  • Eine gute Luftzirkulation verbessert die Wärmeabgabe erheblich.
  • Tiere regelmässig beobachten – ihr Verhalten ist der beste Indikator.
  • Frühzeitig eingreifen, nicht erst wenn Tiere bereits Anzeichen von Hitzestress zeigen.
  • Reichen Schatten und Wasser nicht mehr aus, müssen Tiere eingestallt oder aktiv gekühlt werden.

Was ist Hitzestress?

Hitzestress entsteht, wenn ein Tier mehr Wärme aufnimmt oder produziert, als sein Körper wieder abgeben kann. Die Körpertemperatur steigt an und der Organismus gerät zunehmend unter Belastung. Hohe Luftfeuchtigkeit, starke Sonneneinstrahlung und fehlender Wind erschweren die Wärmeabgabe zusätzlich.

Es gibt deshalb keine allgemeingültige Temperatur, ab wann Hitzestress beginnt. Ob Tiere mit der Wärme zurechtkommen, hängt unter anderem von der Tierart, der Rasse, dem Alter, dem Gesundheitszustand, der Kondition, der Fütterung, der Leistung sowie der Gewöhnung an hohe Temperaturen ab.

Der sogenannte THI-Wert (Temperatur-Humiditäts-Index) berücksichtigt das Verhältnis von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit und gibt damit einen guten Anhaltspunkt, wann die Tiere unter beginnendem, mittleren oder hohen Hitzestress leiden. Für Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen gibt es solche Tabellen, die sich je nach Tiergattung und Nutzung unterscheiden.

Bei Milchkühen beginnt starker Hitzestress z. B. bereits bei einer Temperatur von 28 °C und einer relativen Luftfeuchte von 80 % (s. Abbildung 1: THI-Werte für Milchkühe Quelle: www.ufa.ch)

Woran erkennt man Hitzestress?

Tiere versuchen zunächst, ihre Körpertemperatur selbst zu regulieren. Typische Anzeichen sind:

  • Schatten oder luftige Bereiche werden bevorzugt aufgesucht.
  • Vermehrtes Trinken.
  • Verminderte Futteraufnahme.
  • Weniger Bewegung.
  • Beschleunigte Atmung oder Hecheln.
  • Leistungsabfall, beispielsweise eine tiefere Milchleistung.

Tiere vor Hitze schützen

Tierhaltende sind für das Wohlergehen ihrer Tiere zuständig. Das gilt insbesondere auch vor und während Hitzeperioden. Die Tierschutzgesetzgebung schreibt vor, dass Tiere so zu halten sind und mit ihnen so umzugehen ist, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört werden und ihre Anpassungsfähigkeit nicht überfordert wird. Unterkünfte und Gehege müssen unter anderem mit geeigneten Tränke-, Ruhe- und Rückzugsorten und Klimabereichen versehen sein. Tierhalterinnen und Tierhalter haben also den notwendigen Schutz der Tiere vor Witterung sicherzustellen.

1. Temperatur

Erreicht die Lufttemperatur im Schatten 25 °C oder mehr, sind die Kriterien 2 – 4 jederzeit zu erfüllen.

2. Wasser

Allen Tieren muss jederzeit Wasser in ausreichender Menge und guter Qualität zur Verfügung stehen.

3. Schatten

Bei Sonneneinstrahlung müssen auf tagsüber beweideten Flächen ausreichend Schattenplätze vorhanden sein, sodass alle Tiere gleichzeitig Schutz finden können.

Reichen natürliche Schattenquellen wie Bäume, Büsche, Hecken oder Gebäude nicht aus, sind zusätzliche Schattenflächen – beispielsweise Schattiernetze, Blachen oder Unterstände – bereitzustellen.

Für Schweine und Wasserbüffel sind zudem geeignete Abkühlungsmöglichkeiten, wie beispielsweise Suhlen oder Vernebelungsanlagen, erforderlich.

4. Schur

Wollschafe, Lamas und Alpakas sind rechtzeitig zu scheren. Frisch geschorene Tiere sind in den ersten Tagen vor intensiver Sonneneinstrahlung zu schützen, um Sonnenbrand zu vermeiden.

5. Verhalten der Tiere

Das Verhalten der Tiere gibt Auskunft über ihr Befinden. Anzeichen von Hitzestress sind z. B. enges Zusammenstehen mit gesenkten Köpfen, erhöhte Atemfrequenz, vermehrtes Speicheln, Unruhe oder Apathie.

Stehen Tiere freiwillig in der Sonne, obwohl Schattenplätze vorhanden sind, kann dies auf eine bessere Luftzirkulation oder geringere Insektenbelastung an diesem Ort hindeuten.

6. Dauer der Hitzeperiode

Auch einzelne Hitzetage, kurzzeitige Überschreitungen von 25 °C oder unzureichender Schatten erfordern vorbeugende Schutzmassnahmen.

Bei anhaltenden Hitzeperioden ist ein ausreichender Witterungsschutz jederzeit sicherzustellen.

Veranstaltungen mit Tieren

Auch bei Veranstaltungen steht das Tierwohl jederzeit im Vordergrund. Die Belastung der Tiere ist laufend zu beurteilen. Entscheidend ist nicht die Lufttemperatur allein, sondern der tatsächliche Zustand der Tiere.

Für alle Veranstaltungen gilt:

  • Trinkwasser jederzeit bereitstellen.
  • Ausreichend Schatten und Luftbewegung gewährleisten.
  • Ausreichend Erholungszeiten einplanen.
  • Belastende Programmpunkte möglichst in die kühleren Morgen- oder Abendstunden legen.
  • Tiere regelmässig beobachten und bei Bedarf aktiv kühlen.
  • Kann das Wohl der Tiere nicht mehr gewährleistet werden, müssen einzelne Tiere aus dem Programm genommen oder die Veranstaltung angepasst beziehungsweise abgebrochen werden.

Pferdesport

Kurze Belastungen sind für gesunde, trainierte und an hohe Temperaturen gewöhnte Pferde in der Regel unproblematisch, sofern sie ausreichend trinken können, genügend Erholungszeit erhalten und nach dem Einsatz wirksam gekühlt werden.

Viehschauen und Ausstellungen

Schatten, Trinkwasser und Luftzirkulation müssen jederzeit gewährleistet sein. Aufenthaltsdauer und Transporte sollten möglichst kurzgehalten werden.

Tiermärkte

Lange Wartezeiten sind zu vermeiden. Tiere dürfen nicht unnötig in Transportfahrzeugen verbleiben. Wenn immer möglich, Zugang zu Trinkwasser ermöglichen.

Hundeausstellungen und Hundesport

Hunde dürfen niemals in abgestellten Fahrzeugen zurückgelassen werden. Körperliche Belastungen sind den Temperaturen anzupassen.

Wann liegt ein Tierschutzfall vor?

Nicht jede Hitzebelastung und jedes damit verbundene Verhalten stellt automatisch einen Verstoss gegen das Tierschutzrecht dar. Tiere verfügen über artspezifische Möglichkeiten, um sich bis zu einem gewissen Grad an erhöhte Temperaturen anzupassen. Tierschutzrelevant wird Hitzestress immer dann, wenn keine geeigneten Massnahmen getroffen werden, um Tiere vor vermeidbaren Leiden und Schäden aufgrund der Hitze zu schützen. Die Beurteilung durch das Veterinäramt erfolgt immer anhand der konkreten Umstände des Einzelfalls, in der Regel zeitnah und unangemeldet vor Ort. Zu berücksichtigen sind insbesondere Tierart, Gesundheitszustand, Haltungsbedingungen, Belastungsdauer, klinische Anzeichen sowie die getroffenen Schutzmassnahmen.

Zusätzliche Informationen

Veterinäramt

Obstmarkt 3
9102 Herisau
T: +41 71 353 67 55